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Ankleidepuppen aus Papier  


Ebenfalls in den Bereich der „Celebrities“ einzuordnen sind die „gekrönten Häupter“, besonders beliebt ist in diesem Zusammenhang das englische Königshaus. So kann beispielsweise die prunkvolle Krönungszeremonie von Elizabeth II. mit Hilfe einer 1953 bei Saalfield erschienenen Kombination aus Ausschneideheft und Malbuch inklusive Thron und gülden auszumalender Pferdekutsche stilecht nachgespielt werden.

 

"Coronation", Saalfield, 1953

 Eines der spektakulärsten Paper Dolls überhaupt hingegen zollt einer ungekrönten Königin den ihr zustehenden Tribut. Eine 1963 angebotene Jackie-Kennedy-Puppe

 

 

 der Magic Wand Corporation aus starker Pappe misst eine Höhe von sage und schreibe 75 Zentimetern und wird damit auch größenmäßig der überragenden gesellschaftlichen Bedeutung ihres realen Vorbildes gerecht. Als zusätzliche Besonderheit kann auf die üblichen, zur Befestigung der Kleidungsstücke umzuknickenden Papierlaschen verzichtet werden, da die Garderobe auch ohne diese Hilfsmittel an der beeindruckend großen Jackie-Vorlage haften bleibt. Die Gründe für diesen Effekt sind jedoch nicht, wie ein Verpackungsaufdruck die Kindern glauben machen möchte, auf einen kleinen, roten beiliegenden Plastik-Zauberstab zurückzuführen, sondern beruhen in diesem Fall ganz ungeheimnisvoll auf der Adhäsion, der Anziehungskraft der Moleküle zwischen zwei glatten Materialien. Auch bei anderen Firmen sind in den 60ern vermehrt Papierpuppen zu finden, die nach demselben Prinzip funktionieren und aus produktionstechnischen Gründen nicht mehr in Heftform, sondern in Schachteln („boxed sets)" verpackt angeboten werden.

 

 

Jedoch begann bereits gegen Ende der 50er das Interesse an Paper Dolls in den USA merklich abzuflauen. Kinder verbrachten vermehrt ihre Zeit vor dem Fernseher oder zogen bereits die in diesen Jahren ihren unvergleichlichen Siegeszug startenden Barbiepuppen an und aus. Die Idee zu ihrem Welterfolg kam Barbie-Erfinderin Ruth Handler übrigens, als sie ihrer Tochter beim Spielen mit Ankleidepuppen aus Papier zusah und sie daraufhin eine Puppe entwarf, die nicht die üblichen kindlichen Züge aufwies, sondern wie ein Fotomodell aussah. Aber obwohl die Paper Dolls gegen stetig sinkende Verkaufszahlen zu kämpfen hatten, wurden sie weiterhin fleißig produziert. Einen immer noch recht großen Erfolg erzielten dabei ausgerechnet Paper Dolls zum Thema Barbie, sodass deren stilistischer Wandel über die Jahrzehnte sich auch im Papierpuppenformat auf sehr sehenswerte Weise nachvollziehen lässt.

 

                 

 

 

 

 

           


 


 


 Als besonderes Highlight für Modeinteressierte erweist sich jedoch eine Ankleidepuppe, die der britischen Stilikone Twiggy nachempfunden wurde.

 

 

Die 1967 bei Whitman produzierte „Magic Paper Doll“ mit selbst haftender Kleidung bietet in ihrer attraktiv illustrierten Verkaufsschachtel ein umfangreiches Sortiment schrill-bunter Garderobe im unverwechselbaren Look der Swinging Sixties. Schließlich sei noch auf einige nostalgische Erinnerungen weckende Paper Dolls zu amerikanischen Fernsehserien hingewiesen, die auch in Deutschland ausgesprochen populär waren.

 

              

 

 

"The Brady Bunch", dt. Titel "3 Mädchen und 3 Jungen"

 

"the Partridge Family"

 Allen voran ist hier die in einem bunten Bus zu ihren Musikauftritten reisende Partridge Family zu nennen, innerhalb derer besonders die Schauspieler Susan Dey und David Cassidy zu absoluten Teenager-Idolen avancierten. Die US-Produktion „Family Affair“ war in Deutschland unter dem Titel „Lieber Onkel Bill"

 

Family Affair (dt. Titel: "Lieber Onkel Bill"), Whitman, 1968

 sehr erfolgreich, die darin mitspielenden Kinder Jody und Buffy und selbst deren Puppe Mrs. Beasley erfreuten sich derart großer Beliebtheit, dass für alle drei eigene Hefte erschienen.

Insgesamt ist das Angebot an amerikanischen Paper Dolls aus der beschriebenen Zeit riesig,

 

               

 

 

 

die Sammlerin Mary Young hat die allermeisten von ihnen in ihren diversen, leider nur in englischer Sprache erhältlichen Preiskatalogen aufgelistet. Allein die Saalfield Publishing Company brachte es demzufolge auf deutlich über 1500 verschiedene Titel.

 

 

Mary Young informiert auch detailliert über die Firmenhistorie von Herstellern wie Whitman, Merrill oder Lowe, die alle ursprünglich als Kinderbuchverlage begannen. In Deutschland sind amerikanische Paper Dolls eher selten zu finden. Wenn doch, handelt es sich zumeist um Titel über auch bei uns bekannte Stars und Filme, die, wie manchmal entsprechende Widmungen verraten, nicht selten von Verwandten aus Amerika geschenkt wurden. Ansonsten wird der Interessierte bei der heute immer mehr zur Selbstverständlichkeit werdenden internationalen Suche im Internet überreichlich fündig, in besonderem Maße natürlich in den USA.

 


Die Versandkosten bewegen sich normalerweise in einem Bereich von zehn bis zwanzig Dollar und halten sich damit in noch annehmbaren Grenzen. Die Preise für die Hefte selbst beginnen bei einem Dollar für häufige anzutreffende und unvollständige Objekte und enden erst bei mehreren hundert für seltene und gefragte Stücke. Zu letzteren zählen beispielsweise ein Mickey-Mouse-Ausschneideheft von 1933 oder Paper Dolls über Glenn Miller und „Vom Winde verweht“. Die höchsten Erlöse erzielen natürlich unzerschnittene Hefte, die noch überraschend häufig zu entdecken sind. Solche, oder auch Exemplare in denen nur ein oder zwei Kleidungsstücke ausgeschnitten wurden, zeugen davon, dass die „friemelige Schnippelei“ offenbar nicht jeden Kindes Sache war. Nicht zerschnittene Ausschneidehefte bergen natürlich den nicht zu unterschätzenden Nachteil, dass sie vom Sammler nicht bespielt werden können...Beachten sollte man, dass von etlichen dieser Paper Dolls alte oder auch neuere Reprints existieren, die im einfachsten Fall durch einen auf der Cover-Rückseite befindlichen Scannercode entlarvt werden können. Bei älteren Nachdrucken unterscheidet sich oft der aufgedruckte Preis von dem des Originals. Und wenn beim Kauf eines bereits zerschnittenen Heftes die Rückseiten der Accessoires unterschiedliche Vergilbungsgrade aufweisen, deutet dies darauf hin, dass fehlende Stücke mit Hilfe eines jüngeren Heftes ergänzt wurden.

 

             

"Miss America", Whitman, 1974

 

"First Family" (Ronald und Nancy Reagan), Dell, ca. 1985

Weit weniger ausgeprägt als in Amerika war die Paper Doll Kultur innerhalb des beschriebenen Zeitraums in Deutschland und später in der DDR. Dennoch sind auch in diesem Bereich viele ungewöhnliche und „Geschichten erzählende“ Ankleidepuppen zu entdecken, von denen hier zwei recht kuriose Exemplare als „Appetithappen“ für potentielle Sammler zumindest kurze Erwähnung finden sollen: Den Papiermangel der Nachkriegszeit dokumentiert „Rolf – mein Anziehbub"

 

 

Das „Spiel mit Schere und Buntstift“ wurde auf die Rückseiten von nicht genutzten IBM-Lochkarten aus den Beständen der US Air Force gedruckt, zudem müssen die Kleidungsstücke erst ausgemalt werden. Bei einer Papierpuppe aus der DDR hingegen ist bei genauerer Betrachtung ein Beispiel versteckter Systemkritik auszumachen: So ist in diesem Fall ein unter den Arm geklemmtes Radioprogramm zu erkennen,

 

 

auf dem Titel staatskonformer Sendebeiträge wie „sowjetische Künstler musizieren“ zu entziffern sind. Unter dem anderen Arm steckt eine Zeitung, von deren Namen nur drei Buchstaben erkennbar sind. Diese lassen jedoch als Schluss zu, dass es sich um den Eulenspiegel handelt, das seinerzeit einzige Satiremagazin der DDR.


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