Waren Puppen aus Biskuitporzellan im 19. und frühen 20. Jahrhundert noch teuer und wohlhabenderen Familien vorbehalten, änderte sich das in den 1950/60er Jahren grundlegend, als Kunststoffe wie Vinyl und Hartplastik in der Spielzeugfertigung einzogen. Das Material war elastisch, abwaschbar und nahezu unkaputtbar. Vor allem aber erlaubte die Fertigung im Spritzgussverfahren hohe Stückzahlen in kurzer Zeit, Puppen wurde zur Massenware. Nichtsdestotrotz war Plastikpuppe nicht gleich Plastikpuppe. Wer Wert auf Qualität (und Prestige) legte, griff zu einem Traditionshersteller wie zum Beispiel Schildkröt. Das Unternehmen stellte seine Produktion zwar ebenfalls auf Kunststoffe um, blieb aber im oberen Preissegment. Eine Schildkröt-Puppe mit den typischen festen Schlafaugen und aufwendiger Kleidung war in den Nachkriegsjahrzehnten für viele Familien eine nicht unerhebliche Anschaffung – oft ein "besonderes" Geschenk zu Weihnachten oder zur Konfirmation. Schildkröt zu kaufen bedeutete, dass jemand am Wirtschaftswunderwohlstand teilgehabt hatte. Wer sich das nicht leisten konnte oder wollte, wich auf sogenannte Kaufhauspuppen aus. Neckermann, Quelle und Co. boten No-Name-Produkte an, meist aus dünnerem Material gegossen und mit schlichteren Gesichtern und Kleidern versehen. Sie waren deutlich günstiger, erfüllten im Kinderzimmer aber immerhin denselben Zweck. Die Verbreitung neuer Kunststoffe machte die Puppe letztlich für alle Schichten zugänglich – auch wenn das Preisschild weiterhin verriet, ob sie aus dem Fachgeschäft oder dem Kaufhauskatalog stammte.