virtuelles Spielzeugmuseum der 50er - 70er Jahre
Startseite
Puppenhäuser 50er
Puppenhäuser 70er
Spielzeug 50er Jahre
Kaufläden-nach-1945
Spielzeugausstellung
Ausstellungen
Puppenhäuser älter
Miniaturismus / 1:12
modern dollhouses
Design
Mit anderen Augen
Erinnerungen / Fotos
Astrid Lindgren
Blyton - 5 Freunde
DAS SPIELZEUGMUSEUM
Parkhäuser
Spardosen
Fernsehspiele
Kinderpost - Spiele
Blechküchen
Spielzeug-Mixer
Puppengeschirr
paper dolls 50s
Verkehrsspiele
Weltraumspiele
DDR-Spielzeug
Gästebuch Archiv
Gästebuch /Guestbook
Sammelphilosophie
Impressum / Kontakt

   

Spielzeugmixer / Kindermixer / Spielzeug-Küchenmaschinen

 

Text: Jörg Bohn / VG Wort Wissenschaft - Erstveröffentlichung im Sammlermagazin "TRÖDLER", Heft 2/2009

Wenn die Lösung nicht bereits durch die Überschrift vorweggenommen wäre, könnte man den Gegenstand dieses Beitrages auch in Form eines Rätsels präsentieren, das sicherlich so manchen Sammler zunächst einmal vor mehr oder minder große Probleme stellen dürfte: "Welche Spielzeuge der Wirtschaftswunderzeit wurden von renommierten bundesdeutschen Firmen wie Gama und TippCo oder japanischen Blechspielzeugherstellern produziert, überzeugten damals und überzeugen bis heute durch ausgesprochen solide Verarbeitung und daher nahezu „unkaputtbare“ Funktion, ansprechende Verkaufskartons, überwiegend gefällig wenn nicht sogar außerordentlich gelungen daherkommendes Design sowie hohe kulturhistorische Aussagekraft und finden dennoch beim überwiegenden Teil der Sammlergemeinde so gut wie überhaupt keine Beachtung?"

 

Junior Mixer, Blech mit Batteriebetriebenem Motor, ALPS Japan, Höhe 21cm, um 1960

 

Da die Antwort also klar ist, stellt sich zunächst die Frage nach den Gründen, warum derartiges hauswirtschaftliches Mädchenspielzeug der Nachkriegszeit auf vergleichsweise geringes Interesse stößt, obwohl es objektiv gesehen doch eine Vielzahl von Kriterien der "Sammelwürdigkeit" erfüllt.

Zu allererst liegt es wohl daran, dass trotz dem in den vergangenen Jahrzehnten erfolgten Aufbrechen der traditionellen Geschlechterrollen eine Vorliebe für mechanisches und elektromechanisches Spielzeug offenbar immer noch überwiegend Männern in die Wiege gelegt worden zu sein scheint. Da zudem bei vielen die Motivation des Spielzeugsammelns darin besteht, ehemals selbst besessene und mittlerweile längst verschollene Spielobjekte aufzustöbern und erneut zu erwerben oder auch im Kindesalter begehrtes und niemals bekommenes Spielzeug erstmalig zu besitzen, konzentriert sich die männliche Sammelleidenschaft folglich auf typisches Jungenspielzeug wie Autos, Eisenbahnen oder Dampfmaschinen und naturgemäß weniger bis gar nicht auf Spielzeugmixer und -Küchenmaschinen. Doch auch bei Frauen mit einem Faible für Nostalgisches ist zu beobachten, dass sich die Kauflust bezüglich letztgenanntem in Grenzen hält. Während mittlerweile für Teddys, Puppen oder Puppenstuben und -zubehör der 1950er-70er Jahre bisweilen erstaunliche Preisspitzen auszumachen sind, können Mixer & Co in der Regel noch ausgesprochen günstig erworben werden. Warum die weibliche Nachfrage ebenfalls so bescheiden ist, kann lediglich vermutet werden. Zum einen erwerben Frauen erfahrungsgemäß gerne Spielzeuge, die als „Puppen- oder Bärendeko“ verwendet werden können, wozu sich Küchengeräte aus den Fünfzigern und den darauf folgenden Jahrzehnten aufgrund ihrer spielgerechten Größe nur bedingt eignen. Zum anderen mag es durchaus sein, dass Spielzeuge dieser Art einfach zu realistisch anmuten und deshalb ihren unübersehbar pädagogischen Lehrcharakter nicht genügend verleugnen können. Zudem hat das dem Spielalter entwachsen Kind höchstwahrscheinlich die Erfahrung gemacht, dass der Umgang mit „echten“ Küchengeräten durchaus mit lästiger Arbeit verbunden sein kann, sodass die entsprechenden Miniaturversionen im Nachhinein vielleicht nicht immer uneingeschränkt positiv belegt sind, wie dies zum Beispiel bei den ebenfalls Lernzwecken dienenden Puppenstuben der Fall ist. Wie auch immer – gerade weil die Preise so moderat sind und beispielsweise ein Blechmixer für einen Bruchteil dessen zu haben ist, was der Sammler für ein bezüglich Qualität und Herstellungsaufwand vergleichbares Jungenspielzeug investieren müsste, fallen die Spielzeugmaschinchen durch ein weiteres Raster: dem heutzutage üblichen Prestige- und Wertanlagedenken beim Kauf von historischen Spielzeugen werden sie ebenfalls in keinster Weise gerecht. Wer dennoch Gefallen an diesen Zeitzeugnissen aus dem Kinderzimmer findet und sich dazu entschließen kann, in dieses Sammelgebiet einzusteigen, hat also momentan noch beste Voraussetzungen, in relativ kurzer Zeit für vergleichsweise kleines Geld eine erkleckliche Kollektion zusammenzubekommen, die nicht nur hübsch anzuschauen ist und in vielen Fällen auch ein halbes Jahrhundert nach ihrer Fertigung noch durchaus hohen Spielwert verspricht, sondern zudem als spielgerechtes Abbild der Realität die zunehmende Elektrifizierung bundesdeutscher Haushalte in den Fünfzigern dokumentiert.

 

                 

MIXI, Kunststoff-Spardosen, Höhe ca.18cm, um 1960

 

Mixer PICCOLO, Kunststoff-Spardose, Höhe 18cm, um 1954

 

 So wird der legendäre Starmix der Firma Electrostar im Jahre 1949 erstmals in den Kino-Wochenschau „Welt im Bild“ vorgestellt und taucht wenig später auch verstärkt in Zeitschrifteninseraten auf, deren Werbebotschaften potentiellen Käufern mit verheißungsvollen Überschriften wie „Die verzauberte Küche“ die Vorzüge solcher Maschinen schmackhaft machen sollen: „Wer den Starmix zum ersten Mal in Betrieb sieht, kommt aus dem Staunen nicht heraus. Unheimlich, wie die Messerturbine mit 200 Umdrehungen in der Sekunde den Becherinhalt zu Creme, Mus, Pulver macht! Starmix verringert die Küchenarbeit auf ein Mindestmaß und gibt der Zubereitung von Speisen und Getränken bisher ungeahnte Möglichkeiten.“ Doch die überwiegende Mehrheit der Deutschen hat in den Nachkriegsjahren sicherlich erst einmal elementarere Bedürfnisse zu befriedigen und so ist laut einer Statistik des „Jahrbuch der öffentlichen Meinung“ Mitte 1955 lediglich in 4% der Haushalte eine Küchenmaschine zu finden. Zur gleichen Zeit können 9% über eine eigene elektrische Waschmaschine verfügen, 10% besitzen einen elektrischen Kühlschrank, 39% einen Staubsauger und immerhin 56% sind in der Lage, die Kosten für ihre Bekleidung mit Hilfe einer elektrischen Nähmaschine möglichst gering zu halten. Erst gegen Ende der 50er ist zu beobachten, dass elektrische Geräte in wirklich hohen Stückzahlen die Frauen, zumindest nach den Versprechen der zeitgenössischen Werbung, „von den schweren Lasten und Mühen des hausfraulichen Alltags befreien.“

Dies liegt aber nicht nur allein daran, dass die Bundesdeutschen gegen Ende des Jahrzehnts durch den Wirtschaftswunder-Aufschwung mittlerweile die zur Anschaffung solcher Geräte nötige Kaufkraft besitzen, sondern ist in nicht geringem Maße auch auf eine verbesserte Stromversorgung zurückzuführen. Kam es Anfang der 50er noch zu Engpässen, weil die zur Stromerzeugung benötigte Kohle nicht in erforderlichem Ausmaß gefördert werden konnte, vermelden die unter dem Titel „Deutschland im Wiederaufbau“ erschienenen Tätigkeitsberichte der Bundesregierung nun von Jahr zu Jahr Verbesserungen. Zwar sollte es sich in einer Zeit allgemeiner Atomeuphorie als Trugschluss erweisen, dass die Atomenergie, wie 1957 prophezeit, „mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in einem relativ kurzen Zeitraum weniger Jahre wirtschaftlich erzeugt werden kann“, doch immerhin „zeigt der Rückblick, dass ein störungsloser Ablauf der gesamten Energieversorgung bei im übrigen stetig und erheblich steigenden Vorräten an Steinkohle bei den Verbrauchern erreicht werden konnte.“ Zwei Jahre später türmen sich im Ruhrgebiet bereits Kohlenhalden, statt den noch vor wenigen Jahren zu vernehmenden Sparappellen werden die Verbraucher nun gar zu verstärktem Konsum aufgefordert. „Strom kommt sowieso ins Haus – nutzt das aus!“ heißt fortan die Devise, von der sich Elektrizitätswerke und Elektrogerätehersteller eine Maximierung ihrer Gewinne versprechen. Einige Versorgungsunternehmen bieten ihren Kunden sogar günstige Teilzahlungskredite an, um den Absatz der seinerzeit ausgesprochen teuren Elektrogeräte noch weiter anzukurbeln und damit natürlich auch ihre eigenen Stromverkäufe zu erhöhen. Zudem tut eine die Geräte als wahre Wunderwerke anpreisende Werbung ein Übriges, die Absatzzahlen von Waschmaschinen, Kühlschränken, Elektroherden, Heißwassergeräten, Staubsaugern und nicht zuletzt Küchenmaschinen in Rekordhöhen schnellen zu lassen.

 

links - Küchenmaschine in Form der Starmix MX 3, Kunststoff, ohne Funktion, 98mm, rechts - Bleistift-Anspitzer

 

„Einschalten - ausschalten! Das ist die „einzige“ Arbeit, die Ihnen die elektrische Küchenmaschine Starmix bei der Zubereitung schmackhafter, bekömmlicher Speisen und Getränke noch übrig lässt. Ob Sie Gemüse zerkleinern, eine Soße passieren, eine Mayonnaise bereiten, ein Milchgetränk mischen, Kaffee mahlen oder Zwiebel schneiden – stets wird der Starmix die Arbeit in Sekunden bewältigen. Es hat schon seine Bewandnis, wenn Millionen Hausfrauen vom Starmix träumen und viele Tausend sich täglich von neuem an seinen einzigartigen Leistungen erfreuen.“ Das Kernstück von Geräten nach dem Konstruktionsprinzip des Starmix besteht aus eine Motoreneinheit, zu der als Standartzubehör ein Glasaufsatz samt Häckselmessern gehört. Immerhin 240 DM, also ungefähr die Hälfte des durchschnittlichen monatlichen Bruttoeinkommens eines Arbeiters, muss der Kunde 1956 auf die Ladentheke legen oder per Nachnahme seinem Versandhaus zukommen lassen, um einen 420 Watt starken Starmix in dieser Grundausstattung sein eigen nennen zu können. Preislich ist jedoch durch eine stattliche Palette von Zusatzgeräten, die den Mixer derart zur multifunktionalen Küchenmaschine werden lassen, nach oben hin noch großer Spielraum vorhanden. Die entsprechende Liste beginnt mit einem 80 Watt stärkeren Motor für einen Aufpreis in Höhe von 35 DM. „Oder wie wäre es mit dem einen oder anderen Zusatzgerät?“, fragt die Herstellerfirma in einem Anfang Dezember, und damit noch rechtzeitig vor dem Weihnachtsfest, in einer damaligen Illustrierten zu lesendem Inserat. „Wirklich schöne Geräte gibt es da: Kaffeemühle, Rühr- und Knetwerk, Schnitzelgerät, Fruchtsaft-Zentrifuge, Fleischwolf, Eisrührwerk, Schälaufsatz, Sahnebläser und vieles andere mehr. Kostenpunkt: zwischen DM 25.- und DM 175.-.“ Angebote dieser Art sind möglicherweise der Anlass für die Zeitschrift Constanze, 1958 in ihrem Sonderheft „Der ideale Haushalt“ dem Kaufinteressierten einige grundsätzliche Fragen ans Herz zu legen: „Brauchen Sie überhaupt wirklich eine Küchenmaschine? Welche Arbeit soll sie leisten? Wie viel darf sie kosten? Wird die Maschine auch so oft gebraucht, dass dieser Geldaufwand sich lohnt? Muss es eine Maschine mit starkem Motor sein? Welche Zusatzgeräte sind für Sie von besonderem Nutzen?“

All diese Überlegungen kann sich der Spielzeugsammler beim Starmix im Miniaturformat sparen. Zwar ist das nur etwas über 10cm hohe Kunststoffobjekt in insgesamt fünf Einzelteile zerlegbar und unter Verwendung der drehbaren Mittelachse, die im Boden in einer Art Mini-Mahlstein endet, können sogar Semmelbrösel oder ähnliches zerrieben werden.gefächerten Einsatzmöglichkeiten aufwarten konnte. So ist der „Haushaltsmotor Piccolo mit Drosselstopfen und Standring“ nicht nur als Mixer zu nutzen, sondern mit den entsprechenden Zusatzgeräten auch als Staubsauger, Bohnermaschine, Schmirgel- und Poliergerät oder gar als Farb- und Lackzerstäuber. Um den nötigen Druck zur „Verwendung als Spritzgerät für die Besprengung der Blumen“ aufzubauen, ist „die Handhabung sehr einfach. Wir stellen das Gerät an und legen den Finger auf die kleine Öffnung oben auf der Spritzröhre – ist die Öffnung geschlossen, spritzt das Gerät.“ Darüber hinaus konnte sich die zeitgenössische Hausfrau nach mehrmaligem Gebrauch dieser Gerätekombination höchstwahrscheinlich über einen spürbaren Zuwachs der Muskelmasse ihrer Oberarmen freuen, da die komplette, zu diesem Arbeitsgang benötigte Apparatur inklusive Motorteil und Wasservorrat deutlich über vier Kilogramm auf die Waage brachte!

 

StarMix, Kunststoff, Höhe 102mm, um 1954

 Ob diese vermutlich als Werbegeschenk verteilte Küchenmaschine im Kleinstformat aber ursprünglich für Kinderhände konzipiert war, lässt sich im Nachhinein schwerlich feststellen. Zumindest findet sie sich jedoch regelmäßig im Inventar von Puppenküchen der 50er Jahre wieder und da Kinderspielzeug nicht nur das ist, was ein Produzent eigens zu diesem Zweck fabriziert hat, sondern im Grunde alles, was ein Kind dafür in Beschlag nimmt und zum Spielen einsetzt, soll sie auch an dieser Stelle Erwähnung finden. Wie auch immer: dem Hersteller Electrostar dürfte solch ein Verwendungszweck sicherlich sehr recht gewesen sein, wurde das Kind doch schon früh mit seinem Produkt und dessen Funktionsweise spielerisch vertraut gemacht. Ebenfalls den Weg in die Kinderzimmer fanden diverse Spardosen in Form von kleinen Mixern und Küchenmaschinen. Diese mögen so manche auf ein entsprechendes Gerät Sparende sicherlich zusätzlich motiviert haben, weil sie das Objekt ihrer Begierde als Anreiz nun regelmäßig vor Augen hatten. Einige dieser Spargefäße waren durch wieder verschließbare Öffnungen zu entleeren, andere wiederum nicht. Die Tatsache, dass nicht selten noch unversehrte Exemplare auftauchen, die eigentlich hätten zerstört werden müssen, um an den Inhalt zu gelangen, mag ein Indiz dafür sein, dass etliche dieser Behälter direkt als Spielzeug in Kinderhände gelangten, ohne jemals dem ihnen ursprünglich zugedachten Zweck gedient zu haben. In diese Kategorie gehört auch eine Spardose der Hamburger Electro-As GmbH, die mit dem Mixer „Piccolo“ ein Erfolgsmodell auf den Markt brachte, das dank seines besonders vielfältigen Zubehörs mit enorm breit

Im Gegensatz zu den zuvor beschriebenen Spardosen hat der „Mixzwerg“ kein „großes Vorbild“, sondern ist selbst ein zwar lediglich 11cm hoher, aber dennoch funktionstüchtiger und durch einen Batteriemotor angetriebener „Mixer für Spiel, Camping und Geselligkeit“, der aufgrund seines geringen Fassungsvermögens jedoch sicherlich häufiger in Kinder- denn in Erwachsenenhand Verwendung fand.

 

 Der Mixzwerg, Kunststoff, Made in Germany, Schachtel 23X18X7cm, Made in Germany, um 1955

 

Ist das Gerät an sich eher unspektakulär, erscheint es jedoch schon allein durch seine ausgesprochen gelungen im Stil der Zeit gestaltete Verpackung und durch ein beiliegendes, winzig kleines Heft mit Mixrezepturen als ausgesprochen sammelnswert: „Tu Obstsaft, Sprudel, Zucker rein- und fertig ist der Kinderwein“. Darüber hinaus sind Anleitungen zu entdecken, wie aus einfachsten Zutaten wie Milch, Honig, Zitronen- und Apfelsinensaft, Fruchtmus, Selterwasser oder Zucker viel versprechende Getränke mit 50er-Jahre-typischen Bezeichnungen wie „Summ-Summ-Flip“, „Schwarzer Peter“, „Bambi“ oder „Prickelinchen“ gezaubert werden können. Im hinteren Teil des Heftchens gibt’s dann „Rezepte für die Mutti und für den Vati“, denen in den 50ern offensichtlich Mixturen wie „Goldfasan“ (heiße Milch, Rum, Honig) oder „Eiercognac“ (Eigelb, Dosenmilch, Cognac, Puderzucker) Trinkgenuss bereitet haben.

Von ganz anderem Kaliber ist dagegen der „GAMA-Combi-Mix für die kleine Hausfrau“.

 

 Küchenmaschine, Gama Combi-Mix 700, Blech und Kunststoff, Schachtelhöhe 27cm, um 1960

 

Als „Formschön! Preiswert! Stabil!“ preist die „Fabrik für mechanische Patentspielwaren Georg Adam Mangold“ aus Fürth ihr aus Blech gefertigtes Produkt, das insbesondere das Attribut „stabil“ vollkommen zu Recht für sich in Anspruch nehmen kann. Auch nach fast einem halben Jahrhundert funktioniert das überaus solide Zahnradgetriebe im Normalfall noch einwandfrei und weiß zudem durch wirkungsvolle Umsetzung der beim Handbetrieb investierten Energie sowie hohe, einem Schwungrad zu verdankenden Laufruhe, zu begeistern. Mit Hilfe eines Umschalthebels können wahlweise der Quirl der Rührschüssel oder die „Messer“ des Aufsatzes aktiviert werden. 

Den technischen Fortschritt zu Beginn der 60er dokumentiert der GAMA Mix-Boy 701.

 

Mix Boy, Kunststoff, Batteriebetriebener Motor, GAMA 701,  Länge 11,7cm, um 1960

 

Waren stattliche Größe und ein recht hohes Eigengewicht bei den „echten“ Mixern der ersten Generation nicht zu vermeiden, weil ein entsprechend leistungsstarker und damit auch recht voluminöser Antriebsmotor untergebracht werden musste, der zudem der Standsicherheit diente, gelang es der Industrie in der Folge, wesentlich kleinere und dennoch kraftvolle Elektromotoren zu entwickeln. Ergebnis ist mit dem „Krups 3Mix“ ein 1960 vorgestellter Handmixer, der sich in der Bundesrepublik binnen kurzer Zeit zu einem Verkaufsrenner entwickeln sollte und zu einem Symbol für die moderne Küche avancierte. Dass der „3Mix“ zweifellos Vorbild für den GAMA Kindermixer war, verrät eine Raute in Form des damaligen Krups Firmenlogos auf dem Gehäuse des Spielzeugs, dessen Leistung erstaunlich ist. Dank zweier in dem ohne Griff nur 11 X 7 X 3,7cm messenden Korpus unterzubringender Batterien im Monozellen-Format rotieren die Quirle ebenso schnell wie ausdauernd, sodass selbst das Zubereiten von Schlagsahne zwar etwas Geduld erfordert, letztlich aber kein Problem darstellt.

Im Bezug auf die bereits erwähnten recht niedrigen Preise, für die Spielzeugmixer heute zu erstehen sind, bildet der „Braun Multimix 1 11“, alternativ auf einem Beipackzettel auch als „Mini-Mixer MX 1 11“ bezeichnet und „eine maßstabgetreue Nachbildung des großen Braun Multimix 32“, die berühmte Ausnahme von der Regel.

 

Braun 1 11, Kunststoff, Batteriemotor,  Höhe des Mixers 18,7cm, um 1962

 

Wenn gleichzeitig Interesse bei mehreren Braun-Sammlern besteht, lässt dies den Preis für das sehr selten komplett inklusive Trinkgefäßen in der originalen Schachtel angebotene Gerät bei Internetauktionen auch schon einmal in die Richtung der 100-Euro-Marke empor klettern. Immerhin wird das Spielzeug dafür aber auch durchaus höheren Ansprüchen gerecht. Zwar handelt es sich bei der am Betriebsschalter aufgedruckten Mehrstufenregelung nur um eine Attrappe, doch auf jeden Fall entwickelt dieses Batteriebetriebene „lehrreiche Spielzeug für kleine Puppenmuttis“ eine respektable Drehzahl verbunden mit ansehnlicher Durchzugskraft, sodass die Zubereitung im Begleitblatt vorgeschlagener Mixturen wie „Rocki“ (Milch, Haferflocken, Puderzucker, Nesquick), Luppi (Apfelsaft, Joghurt, Honig) oder „Puddi“ (Milch, Puddingcreme) im wahrsten Sinne des Wortes ein Kinderspiel ist.

 Handelte es sich bei den bisher vorgestellten Kindermixern überwiegend um Spielzeuge, die realen Vorbilder nachempfunden wurden, ist hingegen bei einigen entsprechenden Produkten aus der DDR ein durchaus eigenständiges Design auszumachen. So überrascht der Getränke – Mixer 5005 mit einem überaus gefälligen, stromlinienförmigen und nahezu futuristisch anmutenden Äußeren,

 

Getränke - Mixer Nr.5005, Plaste, Elektromotor mit Batterieantrieb, PIKO, Höhe 29,7cm, 1967

 

während der technisch baugleiche „Mixi“ optisch wie eine ins Miniaturformat geschrumpfte Industriemaschine daherkommt.

 

Getränkemixer 5003 Mixi, Plaste, Elektromotor mit Batterieantrieb,  VEB PIKO Sonneberg, Mixerhöhe

 

 Verantwortlich für diese Entwürfe zeichnet der VEB PIKO Sonneberg, der mit seinem Warenzeichen PIKO bis dahin vorrangig im Zusammenhang mit Modelleisenbahnen in Erscheinung getreten war. „Damit die Kinder schon frühzeitig an künftige Pflichten herangeführt werden, vor allem aber, um sie mit der modernen Haushalttechnik vertraut zu machen, deren Hilfe sie ja später in Anspruch nehmen, schuf der VEB PIKO Sonneberg in enger Gemeinschaftsarbeit mit Pädagogen, Erziehern und Industrieformgestaltern das so genannte Minitechnik-Programm von preiswerten Haushalt- und Küchengeräten für die Puppenmutti“, vermeldet in diesem Zusammenhang das DDR Fachorgan „Spielzeug von heute“.

 

Kinder-Küchenmaschine, PIKO 5006, Plaste mit Metallmechanik, Höhe 23cm, 1965

 

Mit den Spielzeug-Küchengeräten „lernen die Kinder die Hausarbeit mit möglichst geringem Arbeits- und Zeitaufwand meistern…Ohne Übertreibung kann man behaupten: Die Kleinmechanisierung und Rationalisierung hat auch vor dem Puppenhaushalt nicht Halt gemacht.“ Für diesen Zweck waren sicherlich auch die beiden eingangs erwähnten und tadellos arbeitenden Mixer in regem Gebrauch. Deren mechanischer Clou besteht darin, dass sich die Auflagefläche des Mixbehälters bei Einschalten nach oben bewegt und damit zum einen „die Nocke des Quirls in den Mitnehmer des Motors im Kopf des Mixers einrastet und den Quirl damit in Bewegung setzt“. Als willkommener Nebeneffekt wird bei diesem Vorgang der Deckel des Mixbehälters fixiert, so dass das Zubereiten von Milch-Most, Eis-Kakao oder Schokoladen-Ei-Milch sich als Spritzerfreie Angelegenheit entpuppt. Bei der Kinder-Küchenmaschine 5006 hingegen sticht sicherlich zuerst der für ein Kinderspielzeug ungewohnt sachlich gestaltete Verkaufskarton ins Auge. Während das vom Konstruktionsprinzip her ähnliche westdeutsche GAMA-Produkt in einer kindgerecht gestalteten Umverpackung in den Händlerregalen zu finden war, legt das DDR-Spielzeug laut Begleitheft Wert darauf, dass „die äußere Form dem modernen Stil unserer Haushaltsgeräte entspricht.“ Ein weiteres PIKO-Produkt, die Küchenmaschine 5016,

 

Küchenmaschine, Plaste, PIKO 5016, Länge 18cm, um 1967

 

orientiert sich unzweifelhaft an der zwischen 1966 und 1969 vom Elektrogerätewerk Suhl produzierten Küchenmaschine KM 7, deren Gehäuse an der Berliner Kunsthochschule gestaltet wurde und zur Gänze aus Plaste gefertigt war. Durch schnörkellos zweckmäßiges Design weiß schließlich der in einem Mix-Set mit Bechern und Rührschüssel angebotene Piko Mixer 25/5057 aus den 70er Jahren zu gefallen, der zudem über zwei verschiedene Geschwindigkeitsstufen verfügt!

 

                   

Handmixer, Plaste, PIKO 5010, Länge 14,5cm, um 1970

 

Mixer, Piko 25-5057, Kunststoff, Gehäuse 14,5 X 10 X 5cm,  um 1973

 

Eher kurios mutet dagegen ein „Handmixer für kleine Feinschmecker“ des VEB Press- und Spritzwerk Suhl an, der mit einem separaten Batterieteil aufwartet. Zu gebrauchen ist das Spielzeug „wie in einer richtigen Milchbar. Der Verkäufer dort hat viele Flaschen und Büchsen. In einen Becher gießt er Milch und andere schöne Sachen…taucht den Quirl hinein und schon ist der Inhalt vermischt.“

 

Handmixer, Plaste mit Batteriebetriebenem Motor, VEB Press- und Spritzwerk Suhl, 1964

 

 Bemerkenswert ist sicher noch, dass die Kurzanleitungen zur Inbetriebnahme der meisten Geräte in etlichen verschiedenen Sprachen nachzulesen sind und damit dokumentieren, dass die DDR über lange Zeit zu den führenden Spielzeugexporteuren zählte und ihre Erzeugnisse über den zu diesem Zweck bereits 1960 ins Leben gerufenen volkseigenen Außenhandelsbetrieb DEMUSA in insgesamt 35 Länder ausführte, darunter auch in durchaus kapitalistische wie die USA, Japan oder die Bundesrepublik. Der Höhepunkt wurde in den späten 70er Jahren erreicht, als über 26000 Werktätige ein Produktionsvolumen von nahezu 1 Milliarde Mark erarbeiteten, wovon ungefähr die Hälfte auf den Export zurückzuführen war.

 Ebenfalls enorme Exportquoten hatte die japanische Blechspielzeugindustrie zu verzeichnen, die ab den 1930er Jahren gezielt Spielzeuge für den amerikanischen Markt produzierte und nach Ende des 2.Weltkrieges auch Europa mit einer regelrechten „Blechlawine“ überrollte. Als im Verlauf der 60er Jahre immer mehr westdeutsche Hersteller ihre Produktion aus wirtschaftlichen Gründen einstellen mussten, wurde Blechspielzeug „Made in Japan“ schließlich auch in der Bundesrepublik marktbeherrschend. Haupt-Absatzland waren aber offensichtlich zu allen Zeiten die USA, da Produkte und Verpackungen vor allem auf den US-Geschmack zugeschnitten erscheinen. Als besonders sehenswertes Beispiel sei der Geschenkkarton des „Mix-O-Matic JR.“ (JR=Junior) von Exelo angeführt, dessen Deckelillustration den Betrachter in die heile Küchenwelt einer amerikanischen Vorzeigefamilie entführt und ihn dort an der Zubereitung offensichtlich ausgesprochen wohlschmeckender Mixgetränke durch die Tochter des Hauses teilhaben lässt.

 

                 

Mix-O-Matic JR, Kunststoff und Metall, Batteriemotor, EXELO Japan,

 

Höhe 20cm, um 1950

 

 

Zudem wird der Käufer durch einen Aufdruck darüber in Kenntnis gesetzt, dass das Spielzeug insgesamt fünf verschiedene Patente besitzt. Worin diese im Einzelnen bestehen, kann leider nicht mehr nachvollzogen werden. Die Tatsache als solche sowie die Fertigung aus hartem sprödem Kunststoff legen jedoch die Vermutung nahe, dass es sich bei diesem Kindermixer mit Batteriemotor wahrscheinlich um eines der frühesten Objekte seiner Art handelt.

Sammelnswert sind ohne Zweifel auch die Erzeugnisse der Firma Daiya, die durch Liebe zum Detail und eine Japanspielzeug-typische Verspieltheit zu gefallen wissen und über die Mixerüblichen Funktionen hinaus noch diverse Lichteffekte wie beispielsweise bunte rotierende Betriebs-Kontrollleuchten zu bieten haben. Dass die Japaner unter dem zunehmenden Konkurrenzdruck von preisgünstigem Plastikspielzeug „Made in Hongkong“ gegen Ende der 60er vermehrt auf den Einsatz von Kunststoff setzen, belegt Daiyas Combi-O-Mixer: In den 50ern noch komplett aus Blech gefertigt, arbeitet ein Nachfolgemodell zwar technisch nach dem gleichen Prinzip, besteht aber mittlerweile mit Ausnahme des Antriebs ebenfalls aus Plastik. Der in Deutsch verfasste Hinweis auf der Verpackung „Dieser Artikel entspricht den gesetzlichen Bestimmungen für Funkenentstörungen“ verrät, dass das Spielzeug auch hierzulande angeboten wurde.

 

                       

Combi-O-Mixers, Blech und Kunststoff, Batteriemotor, DAIYA Japan, Höhe 18cm, um 1958

 

Combi-O-Mixer, Kunststoff mit Batteriemotor, DAIYA Japan, Höhe 20cm, um 1970

 

Eine speziell amerikanische Angelegenheit sind „Malted Milk Mixer“, die eine Mischung aus Gerstenmalz, Weizenmehl und Vollmilchpulver unter Zugabe von Sodawasser zu einem in den USA ausgesprochen beliebten Getränk verquirlen. Ursprünglich vom Londoner Apotheker James Horlick als Nahrungsergänzung für Säuglinge entwickelt, stößt Malted Milk in dessen englischer Heimat jedoch auf wenig Gegenliebe. Er versucht daraufhin sein Glück in Übersee und es gelingt ihm tatsächlich, das 1883 patentierte Produkt auf dem amerikanischen Markt zu etablieren. Als dann 40 Jahre später der Polarforscher Richard Byrd diese nahrhafte und lange haltbare Mixtur auf eine seiner Expeditionen mitnimmt und aus Begeisterung über deren Qualität sogar eine Bergkette in der Antarktis nach ihrem Erfinder benennt, entwickelt sich Malted Milk zu einem regelrechten Modegetränk. Stilecht zubereitet wird das Gebräu in eigens für diesen Zweck konzipierten Mixern, die in der Regel durch einen federnden Zapfen in der Lage sind, Gläser unterschiedlicher Größen aufzunehmen und die natürlich auch in diversen Ausführungen für das Kinderzimmer produziert wurden.

 

                 

Malted Milk Mixer, Kunststoff mit Aufzugsmotor, Made in USA by Ideal Novelity & Toy Co., um 1960

 

Malt Milk Mixer, Blech mit Aufzugsmotor, Höhe 23,5 cm, wohl USA, 50er Jahre

 

Einer der bekanntesten amerikanischen Hersteller auf diesem Gebiet ist die Ideal Toy Company, deren Gründer Rose und Morris Michtom ebenso wie die Firma Steiff für sich in Anspruch nahmen, im Jahr 1903 den Teddybären erfunden zu haben. Wie auch immer: In den 60er Jahren hat die Ideal Toy Company jedenfalls mit Sicherheit mit dem britischen Hersteller Lines Bros Ltd (Markenname Tri-ang) kooperiert, da ein origineller Mixer mit einem Aufsatz zum auspressen von Zitrusfrüchten baugleich und mit identischer Verpackung, aber jeweils individueller Firmenkennzeichnung, bei beiden Konzernen im Angebot zu finden war. Ein am hinteren Teil des Mixers befindliches Element, das aussieht wie eine zweite Presse, entpuppt sich als Drehknauf zum Aufziehen eines starken und lange laufenden Uhrwerkmotors. Bei einem weiteren amerikanischen Produkt, dem „Electric Mixer“ der Firma Mirro, trügt der erste Eindruck. Entgegen seinem massiv wirkenden Äußeren handelt es sich bei dem Kindermixer um ein recht fragiles Spielzeug, das nicht aus Blech, sondern komplett aus dünnwandigem Aluminium gefertigt wurde.

Während man Spielzeugmixer und -küchenmaschinen aus West- und Ostdeutscher Produktion noch regelmäßig auf Trödelmärkten und Spielzeugbörsen finden kann, sind entsprechende in Japan hergestellte Spielzeuge dort seltener und US-Produkte so gut wie gar nicht anzutreffen. Fündig wird der Interessierte aber reichlich bei internationaler Suche in einem bekannten Internet-Auktionshaus, wobei sich die USA als wahres Eldorado entpuppen. Selbst original verpackte Blechmixer sind bei US-Verkäufern nicht selten für einstellige Dollarbeträge zu erstehende und wären damit absolute Schnäppchen – wenn nicht die hohen Versandkosten dazukämen, die, je nach Größe und Gewicht des ersteigerten Stückes, mit durchschnittlich 20-30 Dollar einkalkuliert werden müssen. Damit nicht genug, bleiben viele dieser Sendungen, ebenso wie aus der Schweiz oder anderen nicht-EU-Mitgliedsstaaten ersteigerte Waren, erstmal bei Deutschen Zoll hängen und müssen bei der nächstgelegenen Zollstelle abgeholt werden. Dort erfährt der erstaunte bis fassungslose Käufer dann, dass sowohl Mehrwertsteuer als auch eine je nach eingeführter Warenart zu berechnende spezielle Einfuhrsteuer nicht nur auf den reinen Kaufpreis zu entrichten sind, sondern dass die Versandkosten (!) Bestandteil des Kaufpreises sind und ebenfalls versteuert werden müssen. Schwarz auf weiß nachlesen kann der Zahler dies anschließend auf einer eigens zu diesem Zweck angefertigten fünfseitigen Aufstellung. Da sich diese Beträge bei beschriebenen Küchengeräte-Miniaturen jedoch in der Regel auf eher niedrigem Niveau bewegen, behält in den meisten Fällen letztlich dennoch die Freude über das neu erworbene Spielzeug die Oberhand.

 

                     

Mixer, Blech, Delta Detroit USA, Höhe 15cm, um 1950

 

Mixer, Plaste mit Metallmechanik, Höhe 15,5cm, wohl DDR um 1960

  

   

Mixmaster, Blech, DAIYA Japan, Höhe 16cm, um 1960

 

Mixmaster, Kunststoff, Hersteller Rays, Made in Hongkong, Höhe 13cm, um 1968

 

 

Electric Mixer, Aluminium, Mirro, USA, um 1956

 

 

       

Junior Mixer,Blech und Kunststoff, Made in Japan, Höhe 10,5cm, um 1955

 

Mixer, Blech, Kunststoff und Holz, comme maman, Made in France, Höhe 19cm, um 1960

 

Küchenmaschine AEG, "modellgetreue Ausführung, mit Motorteil, Mixbecher, Rührschüssel usw."

 

Mixer, Kunststoff mit Aufzugsmotor, Tri-ang England, Höhe 21,5cm, um 1960

 

 

        

Super Blender, Kunststoff mit Batteriemotor, Höhe 25cm, ALPS, Japan, um 1960

 

Food Mixer, Kunststoff mit Batteriemotor, Gehäuselänge 15,5cm, ALPS, Japan, um 1960

 

 

Miniature Mixer, Kunststoff, ohne Funktion, Höhe 11,5cm, Made in USA