Diverses – auch ursprünglich nicht dazugehöriges – Zubehör deutet darauf hin, dass die obige, aus den 1930er Jahren stammende Kinderpost sowohl in den letzten Kriegsjahren als auch noch in der Nachkriegszeit bespielt wurde. Krasse Gegensätze wie der feindliche Schatten hinter der Scheibe auf dem Stenoblock und die kindlich bunt gestaltete Kinderpostkarte dokumentieren die Extreme der damaligen Kinderwelt. Die ebenfalls abgebildete "Paketkarte" quittiert in kindlicher Schrift "1 CARE Paket" sowie Butter für "Frau Hansi Messerschmitt", Absender: "Amerika".
Diese schlichte Kinderpost aus den 1920er Jahren mit dem Motto "Die Lehre für die Kleinen zu handeln wie die Großen." bringt den damaligen Zeitgeist auf den Punkt. Kinderpost war kein reiner Zeitvertreib, sondern ein erzieherisches Werkzeug, um Kindern Disziplin, kaufmännisches Rechnen und den Umgang mit Behörden beizubringen.
Das Deckelbild dieser Kinderpost von Josef Friedrich Schmidt München lässt sich historisch und technisch in die frühen 1950er-Jahre einordnen. Es ist ein Paradebeispiel für die Aufbruchsstimmung und die Faszination für moderne Verkehrsmittel in den ersten Jahren der Bundesrepublik. Abgebildet sind viermotorige Propeller-Passagierflugzeuge (stilistisch angelehnt an die berühmte Lockheed Constellation oder die Douglas DC-6), die ab Ende der 1940er-/Anfang der 1950er den zivilen Luftpost- und Luftverkehr dominierten. Der Ozeandampfer steht für die wiederauflebende Schiffspost und Übersee-Auswanderungswelle der 50er-Jahre.
Sehr hübsch illustrierte Kinderpost um 1955. Bemerkenswertes zeitgeschichtliches Detail: Der Slogan „Fasse Dich kurz!“ an der gelben Telefonzelle vom Seitenteil. Dieser Appell wurde in den 1950ern von der Deutschen Bundespost an allen öffentlichen Fernsprechern angebracht, um lange Wartezeiten an den Kabinen zu vermeiden. Die große Fensterfront gibt den Blick frei auf die Wiederaufbau-Fassaden der 1950er-Jahre.
Diese Kinderpost des Nürnberger Verlags Abel-Klinger (AK-Spiele) stammt aus den frühen 1960er-Jahren. Ein kleines Zeit-Detail: Der schwarze Pudel ganz links – Pudel waren in den 1950ern und frühen 60ern die absoluten Modehunde in Deutschland.
In den 1960er-Jahren vollzog sich in der Gestaltung von Kinderpost-Spielen ein prägnanter Wandel, der den Optimismus und die Modernisierung jener Ära widerspiegelt. Die beiden Illustrationen der Schachteldeckel brechen bewusst mit dem detailverliebten Zeichnungsstil der unmittelbaren Nachkriegszeit und setzen stattdessen auf eine expressive, stark von der Werbegrafik und Pop-Art geprägte Formensprache. Leuchtendes Signalgelb als dominante Hintergrundfarbe, plakative Kontraste sowie flächig aufgetragene Farben verleihen den Szenen eine hohe Dynamik und sofortige Blickfangwirkung. Auch die Typografie folgt diesem Trend: Wuchtige, klare Blockschriften im oberen Bildbereich ersetzen die Schnörkel- und Schreibschriften früherer Jahrzehnte. Während ein Motiv das Thema noch mit verspielten Elementen wie Handkarren, Briefmarkenautomat und Postbus vor nostalgischer Altstadtkulisse interpretiert, schaltet das Gegenstück vollends auf die technische Nüchternheit der Moderne um. Hier prägen die sachliche Architektur der Nachkriegsmoderne mit Flachdach, Glasfronten und Klinkerelementen sowie der eilige Postbote auf dem Motorroller das Bild. Trotz dieser thematischen Nuancen – von der bunten Alltagsszene bis hin zum urbanen Hauptpostamt – bilden beide Motive eine klare stilistische Einheit. Sie stehen exemplarisch für das Grafikdesign der 1960er-Jahre, das den kindlichen Spieltrieb mit den visuellen Codes einer sich rasant modernisierenden Welt verknüpfte.
Kinderpost um 1970 von Josef Friedrich Schmidt München (J.F.S.M.). Die Firma nutzte nutzte Ende der 60er/Anfang der 70er verstärkt romantisierende Postkutschen- und Retro-Motive für Klassiker wie die Kinderpost, kombiniert mit den damals modern geföhnten Frisuren und farbenfrohen Kleidern der abgebildeten Kinder.