© Text und Fotos: Jörg Bohn / VG Wort Wissenschaft
Die Puppe „Petra“ der Firma Plasty war die deutsche Antwort auf Barbie und im Segment der Modepuppen lange Zeit der erfolgreichste deutsche Konkurrent für Mattel. Als Mattel im Jahr 1964 die erste Barbie-Puppe offiziell auf den europäischen Markt brachte, reagierte der deutsche Spielzeughersteller Plasty aus Neulußheim innerhalb weniger Monate und präsentierte bereits im Februar 1965 auf der Nürnberger Spielwarenmesse die Puppe Petra. Das Besondere an Petra war, dass sie genau so groß (ca. 29 cm) wie Barbie war. Plasty hatte die Puppe so konzipiert, dass Petra alle originalen Barbie-Kleider tragen konnte und umgekehrt. Mattel versuchte zwar sofort, Plasty wegen Patentverletzungen zu verklagen, verlor den Prozess jedoch.
Trotz aller Parallelen war Petra aber kein reines Plagiat, sondern vielmehr eine eigenständig gestaltete Puppe mit einem etwas sanfteren Gesichtsausdruck als die damalige US‑Barbie. Ihr größter Trumpf war jedoch der Preis. Während Barbie aus hochwertigem, schwerem Vinyl gefertigt wurde, bestand die frühe Petra aus günstigem, hohlem Hartplastik und wurde teilweise in Hongkong produziert. Das machte Petra im Laden gegenüber Barbie deutlich günstiger. Für viele deutsche Familien der Nachkriegs- und Wirtschaftswunderzeit war die Original-Barbie schlicht ein teures Luxusgut. Petra wurde zur perfekten und nicht minder geliebten Alternative für den schmaleren Geldbeutel.
Genau wie Mattel verstand es Plasty, eine eigene Welt um ihre Hauptfigur herum aufzubauen. Es gab eine eigene Familie und einen Freundeskreis:
Fred: Petras sportlicher Freund (das deutsche Pendant zu Ken).
Peggy: Ihre kleine Schwester (analog zu Barbies Schwester Skipper).
Britta und Tanja: Freundinnen, die das Sortiment erweiterten.
Zudem war ein riesiges Angebot an Kleidung, Möbeln und sogar ein eigenes „Petra-Haarstudio“ erhältlich. Wann immer Mattel einen neuen Trend oder ein neues Feature für Barbie herausbrachte (wie biegbare Beine oder eine drehbare Taille), zog Plasty wenig später mit einer eigenen Version nach („Vollbewegliche Petra“, 1967).