© Text und Fotos: Jörg Bohn / VG Wort Wissenschaft (2026)
Im Deutschland der Nachkriegszeit war ein eigenes Badezimmer mit fließend Warmwasser noch purer Luxus, Anfang der 1950er Jahre besaß erst rund ein Viertel der Haushalte solch ein modernes Bad. Traditioneller "Badetag" war der Samstag, gewaschen wurde sich am Waschbecken oder in einer Zinkwanne (Waschzuber) in der Küche. Wenn "richtig" gebadet wurde, heizte man das Wasser mühsam auf dem Herd oder in einem kleinen Kessel auf; die gesamte Familie nutzte dann oft nacheinander dasselbe Wasser (der Vater natürlich zuerst). Wer bereits ein separates Badezimmer besaß, heizte dieses meist mit einem klassischen Kohle- oder Holz-Badeofen. Diese zylindrischen Blechkessel mussten vor jedem Badegang aufwändig mit Briketts oder Holz befeuert werden, um das Wasser direkt im Raum zu erwärmen. Eine weitere verbreitete Zwischenlösung der 1950er Jahre war der sogenannte Einbauspülschrank, bei dem sich eine kleine Badewanne platzsparend unter einer klappbaren Abdeckung in der Küchenzeile verbarg.
Mit dem Wirtschaftswunder der 1960er Jahre setzte im Zuge des Baubooms eine rasche Modernisierung ein. Das geschlossene Badezimmer wurde im Neubau als standardisierte Nasszelle fest eingeplant. Technisch vollzog sich in diesem Jahrzehnt die Entwicklung zum „warmen Wasser aus der Wand“. Der monströse Kohlebadeofen wurde zunehmend durch Gasdurchlauferhitzer oder elektrische Warmwasserspeicher (Boiler) abgelöst, die heißes Wasser auf Knopfdruck lieferten. Bis Ende der 1960er Jahre besaßen in Westdeutschland bereits um die 65 % aller Wohnungen ein vollwertiges Bad, in der DDR verlief diese Entwicklung etwas langsamer: Dort verfügten im Jahr 1961 erst knapp 22 % der Haushalte über Bad oder Dusche, bis 1971 stieg diese Quote dann auf fast 40 % an.
In den 1970er Jahren erreichte die Entwicklung der Badezimmer schließlich ihren vorläufigen Höhepunkt. In Westdeutschland waren nun die allermeisten Wohnungen mit einem modernen Bad ausgestattet. Neben dezentralen Elektroboilern und Gas-Etagenheizungen setzte sich indessen vermehrt die zentrale Warmwasserversorgung über die Heizungsanlage im Keller durch. Parallel zum technischen Fortschritt wandelte sich auch die Ästhetik grundlegend: Das rein funktionale, meist komplett weiße Badezimmer der Nachkriegszeit mutierte zu einem bunten Wohlfühlort mit Sanitärfarben wie Avocado-Grün, Moosgrün, Curry-Gelb oder Bahamabraun, oft kombiniert mit gemusterten Fliesen und den ersten Badewannen aus leichtem Acryl.