Spielzeug-Badezimmer

© Text und Fotos: Jörg Bohn / VG Wort Wissenschaft (2026)

Auch die Modernisierung der deutschen Badezimmer findet ihre Entsprechung in der Puppenhauswelt, hier sehr anschaulich dokumentiert durch Bäder der Firma Kibri. Während beim oberen Modell zur Warmwasserbereitung noch ein monströser Boiler benötigt wird, kommt das fließend warme Wasser beim unteren Bad dank Zentralheizung schon direkt „aus der Wand“. Hochmodern auch die Dusche samt Duschvorhang aus Plastik. Beide Spielzeuge sind durch an der Rückseite angebrachte Wassertanks und funktionierende Armaturen realitätsnah bespielbar – und deshalb auch recht selten ohne größere Roststellen zu finden.
Stiebel Eltron – "das gute Heißwassergerät bewährt seit vier Jahrzehnten" (1961)
Stiebel Eltron – "Elektro-Boiler", Werbeblatt (1961)
Stiebel Eltron, Werbeblatt (1961)
Stiebel Eltron – "und jederzeit fließt heißes Wasser" (1966)

Im Deutschland der Nachkriegszeit war ein eigenes Badezimmer mit fließend Warmwasser noch purer Luxus, Anfang der 1950er Jahre besaß erst rund ein Viertel der Haushalte solch ein modernes Bad. Traditioneller "Badetag" war der Samstag, gewaschen wurde sich am Waschbecken oder in einer Zinkwanne (Waschzuber) in der Küche. Wenn "richtig" gebadet wurde, heizte man das Wasser mühsam auf dem Herd oder in einem kleinen Kessel auf; die gesamte Familie nutzte dann oft nacheinander dasselbe Wasser (der Vater natürlich zuerst). Wer bereits ein separates Badezimmer besaß, heizte dieses meist mit einem klassischen Kohle- oder Holz-Badeofen. Diese zylindrischen Blechkessel mussten vor jedem Badegang aufwändig mit Briketts oder Holz befeuert werden, um das Wasser direkt im Raum zu erwärmen. Eine weitere verbreitete Zwischenlösung der 1950er Jahre war der sogenannte Einbauspülschrank, bei dem sich eine kleine Badewanne platzsparend unter einer klappbaren Abdeckung in der Küchenzeile verbarg.

Mit dem Wirtschaftswunder der 1960er Jahre setzte im Zuge des Baubooms eine rasche Modernisierung ein. Das geschlossene Badezimmer wurde im Neubau als standardisierte Nasszelle fest eingeplant. Technisch vollzog sich in diesem Jahrzehnt die Entwicklung zum „warmen Wasser aus der Wand“. Der monströse Kohlebadeofen wurde zunehmend durch Gasdurchlauferhitzer oder elektrische Warmwasserspeicher (Boiler) abgelöst, die heißes Wasser auf Knopfdruck lieferten. Bis Ende der 1960er Jahre besaßen in Westdeutschland bereits um die 65 % aller Wohnungen ein vollwertiges Bad, in der DDR verlief diese Entwicklung etwas langsamer: Dort verfügten im Jahr 1961 erst knapp 22 % der Haushalte über Bad oder Dusche, bis 1971 stieg diese Quote dann auf fast 40 % an.

In den 1970er Jahren erreichte die Entwicklung der Badezimmer schließlich ihren vorläufigen Höhepunkt. In Westdeutschland waren nun die allermeisten Wohnungen mit einem modernen Bad ausgestattet. Neben dezentralen Elektroboilern und Gas-Etagenheizungen setzte sich indessen vermehrt die zentrale Warmwasserversorgung über die Heizungsanlage im Keller durch. Parallel zum technischen Fortschritt wandelte sich auch die Ästhetik grundlegend: Das rein funktionale, meist komplett weiße Badezimmer der Nachkriegszeit mutierte zu einem bunten Wohlfühlort mit Sanitärfarben wie Avocado-Grün, Moosgrün, Curry-Gelb oder Bahamabraun, oft kombiniert mit gemusterten Fliesen und den ersten Badewannen aus leichtem Acryl.

Badezimmer im Holzgehäuse mit großem Einbauschrank. Toilette, Badewanne und Waschbecken gehören sicherlich nicht zur originalen Bestückung, unter dem nachträglich eingelegten Linoleumboden finden sich Reste einer Parkettboden-Tapete. Hersteller: VEB Grünhainichen, wohl frühe 50er Jahre, Maße: 41 x 21 x 18 cm  – Die überdimensional große Zahnbürste auf dem Waschbecken mag ich ganz besonders!

Ein Blechbad der Firma GÖSO, das sehr anschaulich den Übergang vom Blech- in das Kunststoffzeitalter dokumentiert. Der Boiler hat zwar noch den altbewährten Wasserhahn aus Messing, besteht aber ansonsten aus Kunststoff, ebenso wie der Einsatz der Badewanne und die Toilette. Besonders zeittypisch ist der Toilettenvorhang aus transparenter, gemusterter Plastikfolie.

Winziges Blechbad von GÖSO, 23 x 13 x 13 cm, um 1950 (Made in U.S.Zone), Badewanne evtl. nicht original, Herstellerangabe im lithografierten Teppich 

Spielzeug-Badezimmer aus im Laufe der Jahre recht spröde und brüchig gewordenem Plastik. Der Wasserhahn fehlt, dafür aber inklusive Personenwaage! Maße: 35 × 15 × 16 cm. – rechtes Bild: Aus einem Spielzeugprospekt von 1960: „Badezimmer aus Plastic, komplett eingerichtet, mit Wasserbehälter 7,90:-„

Der Boiler mit dem Aufkleber „Stiebel Eltron“ ist baugleich mit denen in den GÖSO-Blechküchen – möglicherweise wurden diese Kunststoffbäder also auch von dieser Firma hergestellt. Maße: 35 × 15 × 16 cm. – Rechtes Bild: „Bad, ganz aus Plastik, mit vielem Zubehör. – 8,95.-“ (Versandhaus Neckermann, 1965)

Blech-Badezimmer „Made in Germany“, wohl von GÖSO, Maße 36 × 11 × 13 cm. – Für die Bildidee zu der Szene auf dem Bild rechts sowie für ebenso tatkräftige wie feinmotorische Hilfe beim Arrangement bedanke ich mich bei meiner Lieblingsnichte, die sich mit zwei Brüdern im wahrsten Sinne des Wortes „herumzuschlagen“ hat.

Plasticum "Spielzeug-Parade"

 Blechbad mit Lampe über dem Spiegel und Duschmöglichkeit! Hersteller: GÖSO (Christian Götz & Sohn GmbH, Fürth i. Bay.) – laut einer zeitgenössischen Anzeige für ein ähnliches Bad aus dem Jahr 1952 ist der Artikel „in gekachelter, fliesenähnlicher Ausführung in den Farben Hellblau, Grün und Rosa lieferbar“. Maße: 38 × 22 × 18 cm.

Blechbad „Made in Western Germany“, 35 × 10 × 13 cm, 1962 angeboten im Quelle-Versandhauskatalog: „Puppen-Badezimmer, Badeofen und Hahn am Waschbecken geben Wasser durch Druckvorrichtung, mit Pumpe, Eimer und Handtuch; ca. 35 cm lang. In herrlichen Farben lithographiert, ein reizendes Spielzeug. DM 4,95.-„

Holz-Badezimmer des Herstellers Linus Dähnert, DDR. Es wurden auch noch Varianten mit gelben, bzw. grünen Kacheln angeboten. – Das Werbefoto für ein „echtes“ Badezimmer aus dem Jahr 1959 zeigt, wie anschaulich dieses Spielzeug den damaligen Zeitgeschmack widerspiegelt.

Zu ungeahnten Ehren kam mein Badezimmer im Rahmen einer Fotostrecke zum Thema „Schmuck“, für die es vom Süddeutsche Zeitung Magazin ausgeliehen wurde. Online-Veröffentlichung

Gelungen designtes Holz-Badezimmergehäuse aus DDR-Produktion, dank rückseitigem Wasserbehälter und verstellbaren Wasserhähnen realitätsnah bespielbar. Maße: 24 × 24 × 15 cm

12 x 8 x 17 cm
18 x 13 x 15 cm

Ein Badezimmer der 70er Jahre von der Crailsheimer Spielwarenfabrik aus pflegeleichtem Kunststoff. Clou ist ein Spiegelschrank mit Beleuchtung! Wie in nahezu allen „echten“ Badezimmern darf dieses Badmöbel natürlich auch im spielgerechten Miniaturformat nicht fehlen. Aus einem zeitgenössischen Werbetext: „Immer mehr echte Funktion wird von Spielmöbeln verlangt. Deshalb wurde bei der Erweiterung des „Spielprogramms GABI“ der Crailsheimer Spielwarenfabrik auf einen hohen Spielwert geachtet. Das neue Badezimmer funktioniert originalgetreu. Durch einen in die Rückwand eingebauten Wasserbehälter können die Badewanne gefüllt, und die Dusche und das Waschbecken versorgt werden. Der geräumige Toilettenschrank ist beleuchtet.“ Maße: 46 × 24 × 31 cm.

„Bade-Dusche und Wasserbecken, beide mit fließendem Wasser, durch elektrische Pumpe bedient, für Puppen bis zu 22 cm, Wände aus lithografiertem Blech, alles andere Kunststoff, Größe 42 × 18 × 31 cm. Hersteller: Martin Fuchs Metallwarenfabrik“ (aus einem Anzeigentext von 1964). – Auf dem rechten Bild noch einmal das gleiche Grundmodell, jedoch in einem geradezu psychedelisch anmutenden 70er-Jahre-Flower-Power-Design.