Leicht, licht, luftig, schwebend und farbenfroh sind im Zusammenhang mit der neuen Wohnauffassung oftmals zu vernehmenden Attribute, rechte Winkel sind verpönt, die „freie Form“ soll darüber hinaus einen bewussten Kontrapunkt zum Massiven, Starren und Bedrohlichen des Nationalsozialismus setzten. Unverhältnismäßig häufig in Relation zum Vorhandensein in den „echten“ Wohnungen sind diese modernen Möbel in den Puppenstuben zu finden, möglicherweise Indiz dafür, dass im Miniaturformat Wünsche nach Veränderungen realisiert wurden, die man im wirklichen Leben nicht ausleben konnte, wollte oder durfte. Unterstützt wird diese Vermutung unter anderem durch das 1955 erschiene Bastelbuch „moderne Puppenmöbel selbstgemacht“, in dem es in einer an die Eltern gerichteten Einleitung heißt: „Eine Wohnung wie die Mutti möchte das kleine Mädchen haben. Dabei freut es sich bestimmt auch an einer schöneren und vollkommenen Einrichtung. Wir brauchen uns also keinesfalls zu sagen: solange wir um den alten vierbeinigen Eichentisch sitzen, kann ich doch meiner Sabine nicht diese hübschen Puppenmöbel bauen! O doch, wir können die Puppenwohnung getrost mit den modernsten Möbeln ausstatten!“