Als nach der Währungsreform und einer beginnenden Normalisierung der Verhältnisse wieder verstärkt neue Konsumgüter produziert wurden, orientierte sich die Möbelbranche weiterhin an den alten Vorlagen. Die Menschen wollten das Geschehene ungeschehen machen, wollten die Kriegszeit aus ihren Köpfen verdrängen und so tun, als wäre nichts gewesen, indem sie sich einrichteten „wie früher“. Entsprechend präsentierte sich das Angebot in den Katalogen der Möbelfabrikanten und entsprechend dazu wiederum das Angebot der Puppenmöbelhersteller. In erster Linie solide und zweckmäßig sollten die Möbel sein, stilistisch reichte die Bandbreite von schlichter Sachlichkeit bis hin zu den ausladenden, verschnörkelten und dadurch Wertigkeit vorgaukelnden Schränken des „Gelsenkirchener Barock“. Noch Mitte der 50er entscheidet sich im Verlauf einer Meinungsforschung die überwiegende Mehrheit der Befragten für Möbel konventioneller Machart, lediglich 7 Prozent bevorzugen den Nierentisch. Eine Einrichtung mit modernen Möbeln hätte einen Bruch mit Altvertrautem bedingt, der Vielen zu diesem Zeitpunkt offensichtlich als zu radikal erschien.