Miniaturismus im Maßstab 1:12

© Text und Fotos: Jörg Bohn / VG Wort Wissenschaft (2026)

Wie alles begann

Während eines Aufenthaltes im thüringischen Sonneberg besuchten meine damalige Ehefrau und ich das dort beheimatete Spielzeugmuseum und verliebten uns in ein in einer Vitrine zu bewunderndes großes, von allen Seiten bespielbares historisches Puppenhaus. Soweit ich mich erinnere, war es das erste Mal überhaupt, dass ich ein Spielzeug dieser Art bewusst wahrgenommen habe, in meiner Familie gab es so etwas nicht. Besonders fasziniert haben uns die vielen Räume und insbesondere auch die vielen Türen, durch die sich immer wieder neue Durchblicke und Perspektiven eröffnen. – Anhand der Fotos bauten wir es an vielen langen Winterabenden Stück für Stück nach. Die Maße haben wir geschätzt, weil in Sonneberg kein Zollstock zur Verfügung stand. Sie wurden dann beim Nachbau solange verändert, bis sie stimmig schienen. Einzeln ausgeschnittene Dachziegel, mit der Laubsäge ausgesägte Sprossen für das Treppengeländer, Schränke mit zu öffnenden Türen, Stühle, Tische und Bettwäsche: Die Grundausstattung war anfangs nahezu komplett selbstgefertigt. Im Laufe der Jahre kamen dann noch einige gekaufte Accessoires, sowohl alte als auch neue, wie Püppchen, Badezimmereinrichtung oder Herd mit Einkochtopf hinzu. – Mehr zum Thema auf der Seite Über dieses Museum

Mein altes Schaukelpferd aus den frühen 1960er Jahren

Das Miniatur-Schaukelpferd ist maßstabgerecht dem noch erhalten gebliebenen "echten" Schaukelpferd meiner Kindheit nachempfunden. Die runden Hölzer an den Kufen und am oberen Abschluss des Sitzes sind nicht etwa ausgesägt, vielmehr wurde das Holz mit heißem Wasserdampf biegsam gemacht und über einer selbst angefertigten Vorlage Schritt für Schritt in Form gebracht. Die Griffe des über dem Stuhl hängenden Springseils habe ich gedrechselt, überhaupt stammen alle Holzarbeiten von mir. Meine Frau hingegen bewies ihre Fähigkeiten, winzige Dinge, vor allem im Kaufladen, aus Fimo zu formen oder beim Häkeln und Nähen kleinster Zubehörteile. Schrank, Wiege und Truhe bemalte seinerzeit meine Schwiegermutter, der auch einige tolle Wandbilder zu verdanken sind. – Mit den Jahren habe ich festgestellt, dass selbstgebaute Puppenhäuser bei vielen Sammlern geradezu verpönt sind. Für sie zählt nur, was einem Hersteller zuzuordnen ist. Ich wurde sogar schon gefragt, warum ich dieses "Monstrum" nicht rausschmeiße, um mehr Platz für "wirklich sammelwerte" Objekte von Gottschalk, Schönherr und Co. zu schaffen. Obwohl ich ja eigentlich selbst "streng museal" sammle, finde ich jedoch, dass beides nebeneinander bestehen kann. Man sollte bloß das eine von dem anderen abgrenzen. Übrigens: Bevor ich mich von diesem heiß geliebten Puppenhaus trennen würde, müssten sicherlich zuerst einmal die namhaften "wertvollen" Stücke dran glauben. – Wem das jetzt alles zu dogmatisch erscheint: Es handelt sich hierbei um meine ganz persönliche Meinung. Wie und was jemand sammelt, sollte jeder für sich selbst entscheiden und sich nicht von anderen beeinflussen lassen. Denn das Sammeln und auch das Basteln sollen ja vor allem Spaß bereiten. Daher gilt: Erlaubt ist, was gefällt!