Puppenstuben der 50er Jahre – ein Spiegel deutscher Wohnkultur
Zwar lässt sich die Puppenhaus-Historie anhand des ältesten bekannten Exemplars aus dem Jahre 1558 bis in das 16. Jahrhundert zurückverfolgen, doch handelte es sich bei den frühen Puppenhäusern noch nicht um Spielzeuge, sondern um auf höchstem kunsthandwerklichen Niveau gefertigte Schaustücke. Wohlhabende Patrizierfamilien ließen sich ihre Wohnhäuser samt Einrichtung en miniature nachbauen, damit sie gegenüber ihren Mitmenschen den eigenen Wohlstand zur Schau stellen konnten. Erst im Biedermeier, in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, fanden Puppenhäuser und Puppenstuben größere Verbreitung und waren auch in bürgerlichen Familien zu finden, um deren Töchter spielerisch auf ihre spätere Hausfrauenrolle vorzubereiten. Damit die Handlungsabläufe im Haushalt möglichst wirklichkeitsnah nachgestellt werden konnten, entsprachen die Miniaturen ihren großen Vorbildern meist bis ins kleinste Detail, sodass im originalen Zustand erhalten gebliebene Puppenhäuser und Puppenstuben seither ein authentisches Abbild der Alltagskultur ihrer jeweiligen Herstellungszeit darstellen. Als besonders interessant erweisen sich in diesem Zusammenhang entsprechende Spielzeuge der 1950er Jahre, die im Miniaturformat auf anschaulichste Art und Weise die Entwicklung vom Nachkriegsmangel bis hin zum Wirtschaftswunder-Überfluss dokumentieren. Der Mikrokosmos der Puppenhauswelt gibt derart erschöpfende Auskunft über Baustile und Wohnverhältnisse, über Formen, Farben und Moden und damit auch über Realitäten und Wunschvorstellungen dieser mit zunehmendem zeitlichem Abstand immer stärker verklärten und dabei in Wirklichkeit doch so widersprüchlichen Epoche.