Puppenhaus-Küchen der 50er und 60er Jahre

Arrangiert mit einem Augenzwinkern;-) Die Puppenstuben-Szenen zeigen ein noch in den 60er Jahren weit verbreitetes zeittypisches Rollenbild der Frau. Dabei stellt sich natürlich die Frage, ob sich ein derartiges Zusammenstellen von Puppenstuben mit dem Anspruch „musealen Sammelns“ vereinbaren lässt oder grundsätzlich als Kitsch einzustufen ist. – Ich finde, dass beides durchaus nebeneinander bestehen kann, solange man das eine klar vom anderen abgrenzt. Solche Inszenierungen gefallen insbesondere den Besuchern von Ausstellungen und bleiben in deren Erinnerung haften. Und schließlich: Erlaubt ist, was gefällt!

Denn was kann einem alten Spielzeug schöneres widerfahren, als auch noch nach Jahrzehnten den Kinderschuhen längst entwachsene Sammler zum Spielen zu animieren. Eigentlich ist das Einrichten und Ausstaffieren von Puppenstuben nichts anderes, auch wenn dies viele „große Kinder“ unter dem Deckmäntelchen des „Restaurierens“ oder „in den ursprünglichen Zustand zurückversetzen“ zu verbergen suchen.

Selbstgebaute Küche, um 1960. – Aufgrund ihrer Größe realitätsnah bespielbar, wovon augenscheinlich reger Gebrauch gemacht wurde (siehe angekokelte Herdabdeckung). Bemerkenswerte Details wie Waffeleisen, Küchenmaschine „Starmix“, Backformen und die richtig funktionierende Wanduhr „Luso-Baby“. Maße des Gehäuses: 67 x 43 x 30 cm

 Puppenküche, Privatfoto (um 1954)
 Puppenküche, Privatfoto (um 1956)
 Puppenküche, Privatfoto (1955)
"Reformküche", Maße: 36 x 24 x 9 cm
Altmodische 50er-Jahre-Küche mit separater Speisekammer, das ausladende Küchenbuffet orientiert sich stilistisch noch am "Gelsenkirchener Barock". Hersteller des Gehäuses: VEB Grünhainichen, DDR.
Hier wurde versucht, ein Büffet traditioneller Machart durch bunte Plastikelemente aufzupeppen - wohl ein letzter Versuch, an diesem viele Jahrzehnte die Küchen dominierenden Möbelstück festzuhalten. Die Modernisierung bundesdeutscher Küchen in Form von Anbauelementen mit schnörkellosen pflegeleichten Kunststoffoberflächen ließ sich jedoch auch in den Puppenstuben nicht mehr aufhalten.

Qualitativ hochwertige Küchenmöbel der Firma Linus Dähnert und darunter ein reales Vorbild auf einem Foto aus dem Jahr 1964. Besonderes „Schmankerl“ für Design-Fans: Das ebenso sachlich-schlichte wie ansprechende Äußere des Dähnert-Miniaturradios erinnert an das seinerzeit mit Vorliebe als „Küchenradio“ genutzte Modell „SK 1“ der Firma Braun.

Kleine Spielküche zum Zusammenklappen mit vielen zeittypischen Details wie z.B. einer ausziehbaren Arbeitsplatte. Maße ausgeklappt: 44 x 25 x 23 cm 

Zweiraumgehäuse mit Badezimmer und Küche, VEB Grünhainichen, Maße: 70 x 34 x 24 cm
Puppenhausküche mit pflegeleichten Oberflächen aus Resopal
Werbung der Firma Küppersbusch, 1962

„Eine moderne Küche, der Wunschtraum jeder Hausfrau“ – „Dienstbare Geister für den großen Haushalt“ – Das war begehrenswert (weil noch lange nicht selbstverständlich) im Jahr 1955: 1) Durchlauferhitzer 2) Waschmaschine 3) „Geschirr-Spülmaschine“ 4) „Perlator-Strahldämpfer 5) Elektroherd 6 u.7) Küchenmaschinen 8) Fritteuse 9) Waffeleisen 10) „Zweischeiben-Bohner“ 11) Kühlschrank 12) Küchenuhr 13) Röhrenleuchte 14) Tauchsieder 15) Küchenleuchte

Puppenhauswelt und Wirklichkeit: Gehäuse um 1960 mit Raumteiler und separater Sitzecke. – Unten: Musterküche der Firma Poggenpohl von 1958

"Bunt wie das Leben sind unsere Wünsche...Der eine möchte nach Italien, der andere möchte einen Wagen, aber fast alle, die einen Haushalt haben, wünschen sich einen BOSCH-Kühlschrank."(1956)
BOSCH - "Mein Kühlschrank..." - Bedienungsanleitung und Puppenstuben-Kühlschrank

In den 1950er Jahren hielten Kühlschränke Einzug in die deutschen Küchen. Besaßen 1955 laut einer Umfrage erst 10 Prozent aller westdeutschen Haushalte einen Kühlschrank, ist das Elektrogerät auch 1960 noch keine Selbstverständlichkeit und erst in etwa der Hälfte aller Haushalte vorhanden. In der DDR lag der Anteil 1960 bei rund 6 Prozent und stieg bis 1966 auf ca. 30 Prozent an.

Sehr interessant war für mich die E-Mail einer Besucherin meines virtuellen Museums, die einen Zusammenhang zwischen Konsum und dem Dasein als Schlüsselkind herstellt: „Gefreut habe ich mich auch über die Kühlschrankwerbung: so ein „Bosch“ spielte eine besondere Rolle in meiner Kindheit, da seine Anschaffung, wie so schön nachzulesen ist, einen der wichtigsten Konsumwünsche der 60er Jahre darstellte, und eine nicht unerhebliche finanzielle Belastung war. Die weiteren Wünsche, die anklingen, wie Musiktruhe, Waschmaschine usw. hatten das Leben von „Schlüsselkindern“ zur Folge, da nur durch die Doppelberufstätigkeit der Eltern eine „Erfüllung“ möglich war….“

"Die Traumküche – ein Wunschbild der Hausfrau" (1958)
"Küchen – Etwas für Sie meine Damen!" (um 1958)
Puppen-Küchen in drei verschiedenen Größen. Hersteller: Gebr. Mathieu, um 1959. Maße 82 x 39 x 31 cm
Maße: 51 x 31 x 24 cm
Maße: 70 x 35 x 31 cm

Schicke Puppenhaus-Küche der Crailsheimer Spielwarenfabrik, die Verkaufsverpackung kann als Puppenstuben-Gehäuse verwendet werden. Maße: 50 x 16 x 15,5 cm. Der Herd ist mit einer modernen „Schnellkochplatte“ ausgestattet. Besonders gut gelungen sind die Stühle mit Sitzschale und Trompetenfuß, deren Gestaltung unzweifelhaft vom „Tulip-Chair“ des Designers Eero Saarinen inspiriert wurde.

Puppenhaus der Crailsheimer Spielwarenfabrik mit Einrichtung aus dem „spielprogramm gabi“, im großen Maßstab zum realitätsnahen Bespielen, 1969. Maße: 92 x 36 x 38 cm 

"Crailsheimer Puppenküche in spielgerechter Größe - richtig spülen - richtig kochen"