Spielzeug der 50er und 60er Jahre

© Text und Fotos: Jörg Bohn / VG Wort Wissenschaft

Dass die „Rigi“- Seilbahn der Firma Lehmann auch heute noch regelmäßig zu finden ist, lässt darauf schließen, dass dieses Spielzeug seinerzeit ziemlich häufig verkauft wurde. Nicht ganz so oft taucht jedoch die oben abgebildete Großpackung auf, die zwei Gondeln samt (handbetriebener) Talstation beinhaltet. Original gehören vier Figuren zur Grundausstattung des Sets. Einer der Miniatur-Urlauber ist jedoch beim Après-Ski dermaßen versackt, dass er es nicht mehr rechtzeitig zum Fototermin schaffte;-)

Technofix Nr.303 "Cable Car"

Normalerweise versuche ich ja, möglichst alles in Bezug auf den materiellen Wert meiner Spielzeuge auszublenden. Aber wenn ich sehe, wie preiswert seinerzeit beispielsweise die heute hoch gehandelten Techofix-Bahnen zu erstehen waren, beginnen automatisch Gedankenspiele. Wenn man das damals geahnt und Spielzeug eingelagert hätte, könnte man sich heute ein goldenes Näschen verdienen … Läppische 5,95 DM hat 1965 die „Cable Car“- Bahn im Quelle-Katalog gekostet.

„Der lustige Kartoffelkopf – ein amüsantes Spiel für Alt und Jung“ – „Zur Herstellung der Köpfe werden Kartoffeln, Früchte, Brötchen, Zwiebeln, Rüben etc. verwendet.“ – Lustiges Spiel! Allerdings wohl wenig geeignet, Kindern den Leitsatz „Mit Essen spielt man nicht“ näherzubringen.

"Der grosse Zauberkünstler" - "Über 50 Tricks", Otto Maier Verlag Ravensburg

Andere Zeiten, andere Sitten (und Kleidung …) – Zweimal der Spielklassiker Halma aus DDR-Produktion: Links von Si-Si-Spiele (Sibo Siebels, Leipzig, 1950) und daneben von Plasticart (Berlin, 1982).

Privatfoto, rückseitig handschriftlich: "Mama u. Inge beim Halmaspiel" (schätzungsweise um 1954)
Die kluge Hausfrau - "Kundenzeitschrift des Edeka Kaufmanns" (1956)
Aus einem Möbelkatalog (1959

Dr. Oetker „Backgeräte für die Puppenküche“. Aus dem Begleitheft „Heidi lernt backen und kochen“: „So lernt Heidi spielend, wie man einen guten Kuchen backt und die guten Dr. Oetker Puddinge zubereitet. Später, wenn sie groß ist und einen richtigen Haushalt zu versorgen hat, dann wird Heidi immer gern einen selbstgebackenen Kuchen auf den Tisch bringen und recht oft einen Dr. Oetker Pudding kochen. – Sicher wirst Du es ebenso machen. Darum merke Dir schon heute: VERLANGE BEIM EINKAUF IMMER AUSDRÜCKLICH DR. OETKER PUDDING-PULVER UND DIE BACKZUTATEN VON DR. OETKER.“

„Denk fix“, ein lange Zeit weit verbreitetes Spiel von der Firma J.W. Spear & Söhne, Nürnberg. Aufgabe der Spieler ist es, auf verschiedene Fragen möglichst schnell eine Antwort zu finden, die mit dem Buchstaben beginnt, der per Zufall durch eine Drehscheibe bestimmt wird. „Einen „Wunsch“ wird man wohl leicht durch das ganze ABC finden“, heißt es dazu in der Spielanleitung, „ebenso einen Namen oder eine Blume. Wenn aber ein Baum mit „W“ oder ein Gebäudeteil mit „R“ anfangen soll, ist es schon schwieriger.“ – Kann doch so schwer nicht sein … Walnussbaum, Wildkirsche und … äh … Reihenhausbalkon?!

„Mini Haute-Couture pour poupées mannequins“, ein Schneider-Atelier für Kinder. – Man beachte: Der kleine Junge hat eine Pfeife im Mund!

Wohl in nahezu jeder (zumindest Mädchen-)Spielzeugkiste der 50er und 60er Jahre zu finden: Dusyma-Knüpferli, hergestellt ab 1958. – Ich bedanke mich für dieses schöne Spielzeug (und noch viele andere mehr) bei der leider viel zu früh verstorbenen Sammlerin Inge Michno.

"Langeweile hast Du nie mit Dusyma-Knüpferli" - aus einem Firmenprospekt von 1960
Zwei Mädchen Weihnachten 1959 in Leipzig beim Spiel mit Dusyma-Knüpferli

Ein Spiele-Klassiker: „Fang den Hut“ vom Otto Maier Verlag Ravensburg (Ravensburger Spiele NR.334d) – Kinder spielen „Fang den Hut“ auf einem Balkon (1950)

Elektrisches Angelspiel, Titan GmbH, Fabrik für Qualitätsspielwaren, Schwäbisch Hall – „Die 4 Schwimmtiere werden auf die imitierte Wasserfläche gesetzt und bewegen sich nun selbsttätig durch die feine Vibration der Wasserfläche. Die Geschwindigkeit der Tiere läßt sich durch den Regulierknopf in der Ecke des Spieles verändern. – Dieses Spiel ist zum Anschluß nur an 220 Volt Wechselstrom bestimmt und bei ordnungsgemäßer Bedienung absolut ungefährlich.“ (1957)

"Kaffee-Service und Melitta-Schnellfilter für kleine Hausfrauen", Spielservice für Kinder mit Tellern und Tassen in den schönsten Pastellfarben
Freude über ein Melitta-Kindergeschirr und einen Gama-Spielzeugmixer (1960)
Ein "Melitta Kaffee-Schnellfilter für kleine Hausfrauen" unter dem Weihnachtsbaum (1962)
"GRUGA Jubiläumsspiel" - "25 Jahre Gruga Essen", Assindia-Verlag-Essen, 1954

An meinem fünften Geburtstag brachte mir das Postauto ein riesengroßes Paket von Tante Charlotte. Zumindest kommt es mir in meiner Erinnerung so groß vor, vielleicht ist der Grund auch nur, weil ich als Kind ganz einfach noch entsprechend kleiner war und die Größenrelation eine andere – genauso wie sich die vermeintlich hochhausgleiche damalige Wohnung der Verwandten anlässlich eines Besuches viele Jahre später als lediglich dreigeschossiges Haus entpuppte.

Jedenfalls begann ich voller Vorfreude das Paket zu öffnen und entdeckte eine Schicht zusammengeknüllten Zeitungspapiers, vermutlich um das im Inneren verborgene, höchstwahrscheinlich absolut großartige und alles andere übertreffende Geschenk vor etwaigen Beschädigungen zu schützen. Unter der oberen Zeitungsschicht lag jedoch erst einmal eine weitere, und das auf der Suche nach eventuell darin verborgenen Kleinigkeiten sorgfältig auseinandergefaltete Papier bedeckte mittlerweile den halben Küchentisch. Meine Mutter, die das Ganze von Anfang an beäugte, bemerkte eine gewisse aufkeimende Unruhe und versuchte mich zu beruhigen. Ich kann mich nicht erinnern, was sie sagte, wohl aber daran, dass es mir Mut machte, die Suche fortzusetzen. Um es kurz zu machen: Ganz unten in dem riesigen Paket fand ich eine winzige, buntbedruckte Schachtel, die ein kleines Spielzeugauto enthielt. Und um die Enttäuschung komplett zu machen, handelte es sich dabei nicht etwa um das Modell eines der von mir bevorzugten schnittigen Sportwagen, sondern um einen in meinen Augen unförmigen und unglaublich langweiligen Ford 12M ...

War die wohlgemeinte Überraschung der Tante zum damaligen Zeitpunkt alles andere als ein Hit, hat es immerhin dazu geführt, dass mir dieses Ereignis auch mehr als 50 Jahre später noch in lebhafter Erinnerung ist und ich mir beim Schreiben dieser Zeilen wieder sehr intensiv diese eigenartige Mischung aus gespannter Freude und nachfolgender Enttäuschung vergegenwärtigen konnte.